Michael Hedwig Maler

Aus einer Großfamilie stammend bin ich mit einer gewissen Vorliebe für Gruppenbilder vorbelastet. Meine Denk- und Arbeitsweise ist auf die Gemeinschaft gerichtet, das Kollektiv, die Gruppe. Das Individuum erfährt dann sein Potential, wenn es seinen Stellenwert in der Gruppe wahrzunehmen lernt, erkennt und sich unverfälscht in die Gemeinschaft einbringt. Meine Bildkonzepte beruhen auf Eigenverantwortlichkeit und deuten unausweichlich auf die Notwendigkeit der Kultivierung von Geisteskräften und die Entwicklung von liebendem Mitgefühl. Meine Kunst verstehe ich nicht zuletzt als Hinweis auf die Überwindung von vorgefassten Meinungen, irrationalen Ängsten und Populismen.
– Michael Hedwig

Michael Hedwig zählt zu den anerkanntesten Künstlern der österreichischen Gegenwartskunst. Seine familiären Wurzeln liegen in Osttirol bzw. in Siebenbürgen. Geboren 1957 in Lienz lebt er seit seinem siebzehnten Lebensjahr in Wien. Sein Studium absolvierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien, in der Meisterschule von Anton Lehmden. Bereits 1986 wurde Hedwig mit dem Österreichischen Grafikpreis ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt er seinen ersten Lehrauftrag. Heute leitet er als Assistenzprofessor die Tiefdruckwerkstatt an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Begleitet von einer regen Ausstellungstätigkeit von Wien bis Tokio oder Istanbul, Berlin, Washington, oder von Graz bis Paris arbeitet der Künstler kontinuierlich an seinen Bildern, basierend auf sozial-mythischen, transpersonalen Konzepten. In seinen Bildern erscheint der Einzelne immer eingebunden in gruppendynamische, energiehafte Prozesse. Hedwig setzt sich intensiv mit unserer Gesellschaft und ihren Mechanismen auseinander. Er analysiert menschliche Befindlichkeiten und stellt sie mannigfaltig dar. Mit der Gemäldeinstallation „Bewegungen der Seele“ gelang ihm 2005 eine permanente Alltagspräsenz im Herzen von Wien, im 1. Bezirk, in der U-Bahn-Station U3-Stubentor. Seiner monumentalen Arbeitsweise, die sich auch im Jahr 2010 im Fastentuch für den Dom zu St.Jakob in Innsbruck oder in seinen Graphit-Friesen aus dem Jahr 2015 manifestierte, setzt Hedwig kleinformatige Bildserien entgegen. Dafür beispielhaft sind seine mehrfarbigen Radierungen „Über-Körper“ oder die schwarz/weiß Radierungen „Tagwerk & Nachtarbeit. Miniaturen“ in welchen ein weiterer Aspekt seiner Arbeitsweise als Wechselwirkung von Wort und Bild in Erscheinung tritt. Projekthaft erweitert sich diese Wechselwirkung von Wort und Bild bzw. Wort-Bild-Klang in der Zusammenarbeit mit der Autorin Karin Peschka und dem Komponisten Rudolf Jungwirth in aktuellen Zeichenserien wie „Fries“ oder „Die wilde Jagd“.